Über das Landei

Ich erzähle euch hier in Interviews von meinem Leben auf dem Land.

Ich bin vor zwei Jahren von einem kleinen Kaff in ein noch kleineres Kaff gezogen und hatte Mühe mir vorzustellen, wie ich da leben soll. Vor allem da der SVP-Wähleranteil auf einem absoluten Höchststand ist in diesem Dorf.

Meine ersten Erfahrungen hier haben mich auch fluchtartig (wie sonst) die Flucht ergreifen lassen. Als meine albanischen Umzugsmänner (Zügelmänner) nach einem langen Tag der harten Schufterei abfahrbereit waren, wurden sie verbal von einer alten Dame (Furie wäre das treffende Wort gewesen) angegriffen, die Worte “Jugogrind” (hochdt. etwa Jugoslawenfresse), “genau mit solchen Wagen kommen die und räumen dir die Häuser leer” und weitere Charmantigkeiten fielen. Ich setzte mich dann gleich ins Auto und fuhr zurück in die alte Wohnung, ich brauchte Abstand und konnte mir nicht vorstellen, hier heimisch zu werden. All meine Vorurteile wurden quasi bestätigt.

Inzwischen hab ich aber gemerkt, dass das Leben hier viel Spannendes und Interessantes zu bieten hat, wenn man denn offen für Neues ist.

Die alte Dame, stellte sich heraus, kam übrigens nur jeweils zum Einkaufen hierher, sie wohnt sogar in einem anderen Kanton und hat definitiv einen an der Waffel und ist streitsüchtig (charmant ausgedrückt).
Die letzten zwei Jahre wechselte ich zwischen Didaktik, Technik, DevConfs, Veranstaltungen wie der re:publica und meinem Landleben hin und her. Und ich finde beides bereichernd und spannend. Daher gibt es jetzt diesen Podcast über meine Leben auf dem Lande, denn ich habe hier viel Neues gelernt: die meisten Leute hier gehen sehr offen auf einen zu, da die Einwohnerzahl ja sehr beschränkt ist – und ich hätte nie gedacht, dass es so viele interessante Facetten am Landleben zu entdecken gibt.

Wenn man offen ist und mit den Leuten redet. Dies soll auch ein Plädoyer für offenes Aufeinanderzugehen und respektvolle Dialoge miteinander sein! Wenn man Vorurteile hat (und die hat eigentlich jede und jeder), dann werden die nur zu schnell und gern bestätigt. Ich werbe für den Blick hinter die Fassade und bin der Meinung, dass jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen hat – man muss sie nur finden!